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Familia Dimitri in Bogotá

Familia Dimitri in Bogotá

«Schaut ihn an, sage ich, das ist ein wirklicher Clown. Was ist ein wirklicher Clown? Das weiss ich nicht, aber schaut ihn an: Er kann schon allerhand und immer noch etwas mehr und dann ist er selig, wenn noch mehr gelingt, sogar das Unglaubliche. Man freut sich wie mit einem Kind, das die Tücke aller Dinge entdeckt und wie durch ein Wunder nicht strauchelt. Ich bin in jedem Augenblick gespannt, aber dann hat immer jemand gelacht, einfach laut gelacht, als wäre er allein, nicht wie man über einen Witz lacht, sondern gelacht vor Freude wie ein Kind; das war ich und der Clown heisst Dimitri». (Max Frisch)

Eingeschriebener aus Kolumbien

Wie jeden Werktag betritt Poestler Beauvais punkt neun Uhr morgens im grauen LA POSTE Regenmantel das Buero 222 an der rue General-Dufour 24 und bringt haufenweise Immatrikulationen aus der ganzen Schweiz. Heute hat er wiedermal etwas Besonderes dabei, das sieht Madame Fontaine schon von weitem an seinem breiten Grinsen. Und tatsaechlich, wie immer laesst Herr Beauvais die Katze gleich aus dem Sack: “Heute habe ich einen Eingeschriebenen dabei. Wissen Sie woher Madame? Wissen Sie voher? Devinez!”. Ohne ihre Antwort abzuwarten, Monsieur Beauvais muss weiter, ueberreicht er ihr einen Umschlag. Kolumbien. Madame Fontaine unterschreibt. Kolumbien hatte sie schon lange nicht mehr, Herbstsemester 03, wenn sie sich nicht tauescht. Der Umschlag macht einen lausigen Eindruck, und das ist nicht nur der weiten Reise zuzuschreiben. Schnudrig zugeklebt mit Tesa-Film,fluechtig beschriftet (drei mal korrigiert). Absender  5000 Aarau. Wenigstens kein Kolumbianer, denkt sie und oeffnet den Umschlag mit dem bronzenen Briefoeffner, ihr Dienstaltersgeschenk zum Dreissigsten.
Der zu duenne Umschlag ist bis zum Bersten gefuellt, das Format - C6 - viel zu klein, weshalb er - Dossier N°: SES-2492-08 - Antrag und Beilagen jeweils zweimal falten musste. Dies tat er sichtlich ungeschickt, und auch hier musste er zweimal neu ansetzen. Frau Fontaine nimmt die Blaetter aus dem Umschlag, legt sie auf die Läufer-Schreibunterlage und streicht sie erst einmal glatt. Zuoberst auf dem Stapel der Immatrikulationsantrag im Doppel. Die haben wohl keine Tinte in Kolumbien, denkt Frau Fontaine, kaum leserlich sind die Buchstaben aufs Recyclingpapier gedruckt. Dafuer der ganze Rand versudelt und Eselsohren. Mit einer rostigen Bueroklammer ist ein Passfoto geringer Aufloesung ans Papier geheftet. Da grinst er ihr nun entgegen, und Frau Fontaine denkt: Der kommt dann schon noch auf die Welt, bei uns in Genf. Sie blaettert weiter, hofft der Antrag sei wenigstens unvollstaendig. Passkopie schwarz-weiss und gaenzlich unleserlich. Kopie einer Kopie, keine Frage, aber Pass ist Pass. Kopie Maturitaetszeugniss. Manchmal fraegt man sich schon, denkt sie, wieso die mit Grips immer die groessten Schnuderis sind. Lebenslauf. Auf Spanisch! Als wuerden wir in Genf Spanisch sprechen, so weit kommt es noch. Und Referenzen aus Ecuador.
Das Telefon klingelt, Frau Fontaine versorgt die Papiere in eine Biella-Sichtmappe und legt das Dossier zu den anderen Anträgen. Nicht vergessen beim Cafe Françoise erzaehlen, denkt sie und beantwortet den Anruf noch vor dem dritten Klingeln.

Ein Tag in Bogota

Der heutige Tag in Bogota stand ganz im Zeichen meines Vorstellungsgespraech. Ich will sesshaft werden. Jedenfalls fuer einige Wochen oder Monate, wer weiss das schon so genau. Nun, Buerojobs in Kolumbien, das heisst Anzug, Krokolederschuhe, Schmalzfrisur und andere Dinge, die ich nicht mag. Doch dachte ich mir, meine schmutzigen Partyfinken und die Safarihosen, mit denen werde ich sicherlich nicht gut ankommen. Also rannte ich den ganzen Tag lang durch Bogota, auf der Suche nach salonfaehiger Kleidung, investierte in Lederschuhe (die ersten meines Lebens), fertigte Fotos an, tüftelte an meinem CV. (Weiter lesen…)

Alegria am Carnaval de Barranquilla

Carnaval de Barranquilla

In Kolumbien, da wird noch gefeiert. Insbesondere am Karnevalswochenende, das wir uns natuerlich nicht entgehen liessen. Eigens deswegen flogen wir in die Kuestenstadt Barranquilla, wo alljaehrlich die froehlichste aller Sausen steigt. Froehlichkeit, Alegria, darum geht es am Karneval. Die Kolumbianer sind grundsaetzlich keine Kinder von Traurigkeit. Doch einige schwingen mit ihrer Alegria ganz weit oben aus. Und die werden am Karneval praemiert. Fuer vier Tage Koenig wird der Froehlichste der Stadt. Rey Momo wird der genannt. Wir sahen Momo, er traegt Krone, Schnauz und ist um die vierzig. Er war wirklich sehr sehr froehlich. (Weiter lesen…)

LIM

Der Smogglocke Limas doch noch entkommen

Anschluss schon in Santiago abgestunken. Sieben Stunden auf dem Flughafen Lima, bis endlich die Maschine aus Costa Rica kommt. Da soll noch einer draus kommen. Die erste Stunde ueberbruecke ich auf dem Fussboden liegend (von dem koennte man essen!) und lausche den bizarren Klaengen des Lost in Translation Soundtracks (auf dem SamPod). Dann gehe ich shoppen. Ein Geschaeft verkauft Alpaca (Lama fuer Arme) “Fashion”. Andernorts hat man sich auf Pisco spezialisiert, wo ich zur Degustation geladen werde. Hugo verkauft Shirts aus chinesischen Sweatshops fuer $120. Wie ueberall. Oder natuerlich die Dutyfreeklassiker Schnapps (auch Ballentino!), Tabak (auch Gallier!), Parfum (auch Tommy!) und Schokolade (auch Lindt!). Einzige Ueberraschung: Auch Putumayo-Scherben stehen zum Verkauf. Ich kaufe nichts.

Das wartende Volk eine bunte Mischung aus spanischen Geschaeftsmaennern in Massanzuegen, peruanischem Jetset, europaeischen Mochileros und einer Yankeespezies, welche mir noch etwas schleierhaft ist: Maenner in Cowboyhut und Latzhose (erster Gedanke: schwul), Frauen in Ordenskleidern (was die Homothese gleich doppelt ueber den Haufen wirft).

Wirklich aergern tu ich mich nicht. Aus Langweile gehe ich trotzdem zum TACA-Schalter und mime den entruesteten Europaer. Meine Forderung: Zugang zur VIP-Lounge oder Businessclass-Upgrade. Der alte Traum. Ernte nur schallendes Gelaechter und werde in die Marlboro Smoking Lounge abgeschoben (mit Internet!).

Huayna Potosi - 6088m

Morgendaemmerung auf Huayna Potosi

Dieser hauptsaechlich der Hoehe wegen. Deshalb (und ueberhaupt) fuer einmal nur nackte Fakten. Huayna Potosi, 6088m ueber Meer, Cordillera Real, nahe La Paz

Tag eins: Training auf dem Gletscher. Gletscherbasics auf der fuenften gefuehrten Bergbesteigung meiner Reise doch noch mitgekriegt. Nacht im Refugio auf 4800m.

Tag zwei: Aufstieg mit Gepaeck zum Basislager auf 5130m. Schlafen am Tage. Guide Miguel nervt. Schwafelt nur von Cholitas und Bier.

Tag drei: Abmarsch um ein Uhr morgens. Aufstieg problemlos. Guter Pfad. Stein und bein gefrorenes Snickers gegessen - und fast gekotzt. Wetter schlecht, alles vernebelt. Letzte Partie 250m bei 45 bis 70 Grad Steigung (je nach Quelle) mit Eispickel klettern, waehrend Miguel immer noch von Cholitas leiert. Gipfel halbtod erreicht. Wind und Kaelte unaushaltbar, Aussicht nicht vorhanden. Kontrolle ueber Finger verloren, Brille gefriert. Also wieder runter. Roch nach Lawinen, blieb aber alles tranquilo. Um acht Uhr zurueck beim Basislager. Um zehn beim Refugio. Um vierzehn Uhr in La Paz. Miguel abwimmeln. Schlafen.

Lago Titicaca - wo Sonne und Mond zur Welt kamen

Einheimische Kinder auf der Isla del Sol, Titicaca-See

Ich fasse mich kurz. Der Titicaca-See, groesste Suesswasserpfuetze Suedamerikas, ist ein magischer Ort. Zweigeteilt zwischen Peru und Bolivien, beheimatet er unter anderem die Isla del Sol und die Isla de la Luna. Dort wurden Sonne und Mond geboren. Sagten die Inkas. Heuer dankt das die Sonne den beiden Inseln mit einer UV-Strahlung, dass sogar der braungebrannte Langzeitreisende ordentliche Verbrennungen davon traegt. (Weiter lesen…)

Bei den Mineros von Potosi

Hoffnung nicht aufgeben - Minero im Cerro Rico, Potosi

Dunkel wie in einer Kuh. Der Schweiss tropft und vermischt sich mit Staub und Kiesel zu einem Hautpeeling der unerwuenschten Art. Sauerstoff gibt es nur wenig, wir befinden uns auf 4100m. Atmest du, saugt sich deine Lunge bis in die hinterste Ritze mit Staub voll. Abhilfe schafft der Atemschutz, ein Taschentuch, dass vor Mund und Nase gebunden wird. Negative Eigenschaft: Sauerstoffzufuhr halbiert sich. Du bist alleine. Mit dir sind nur die Geraeusche deiner Compañeros. Meissel, die in muehsahmer Handarbeit in den Fels gerammt werden, der dumpfe Knall der Dynamit/Ammoniumnitrat-Sprengladungen, die Schubkarren, welche auf Schienen durch den Berg geschoben werden. Willkommen in den Silberminen von Cerro Rico, Hoelle auf Erden. (Weiter lesen…)

Karte und Reiseroute

Oft gefordert, lange angekuendigt, endlich da: Die Thanks for the Fish Karte und Reiseroute. Ermoeglicht es meinen Fans immer im Bilde zu bleiben wo ich mich so herumtreibe. Flockige Sache oder?

Fuer die Geeks: Entwickelt mit Hilfe der Google Map API. Daten sind in einer MySQL-Tabelle abgespeichert und werden mit den PHP5-DOM-Funktionen in ein dynamisches XML-File geschrieben, welches von der Google Map API asynchron verarbeitet wird.

Beste Gruesse aus dem sandigen Norden Chiles

Machu Picchu für Arme

Die Inkastadt Machu Picchu. Im Hintergrund der Berg Wayna Picchu.

Mehr als einen Monat reiste ich von Nord nach Sued durch das Land der Inkas, immer naeher hin zu dem erwarteten und unbedingten Highlight jeder Suedamerika-Reise. Der Ort Perus, welcher Touristenstroeme wie magnetisch anzuziehen scheint, eines der “New 7 Wonders of the World”: Die verlorene Inkastadt Machu Picchu.
Waehrend sich die meisten Reisenden wie kleine Kinder auf den Besuch der spektakulaer gelegenen Ruinen freuen, oder Machu Picchu gar als Grund ihres Suedamerikatrips nennen, bereitete mir die ganze Thematik im Gegenteil seit laengerem Kopfschmerzen. Denn: Wo die Touristen busweise hingekarrt werden (durchschnittlich 2000 Besucher taeglich), ist nicht nur mit Spass und Staunen zu Rechnen, sondern auch mit einer Menge Unrat. (Weiter lesen…)