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Quito: Muy Bien

Es folgen, wie angekuendigt, die Geschehnisse ab der Zwischenlandung in Madrid.
Nach der Landung in Madrid Barajas ging es einmal mehr durch die Sicherheitsschleuse. Ich blieb schon wider hängen. Der Kollege von der Protectas, durchwuehlte meinen ganzen Stuff und stürzte sich schlussendlich auf mein kleines Wenger Taschenmesser, welches am Flughafen Zürich als okay befunden wurde. Weil er aber nicht zu Diskussionen gewillt schien schenkte ich es ihm schlussendlich und zottelte von dannen.

Nach einer kurzen Wartezeit enterte ich den A340 Albatross, welcher mich nach Quito bringen sollte. Ich setzte mich an meinem Fensterplatz nieder und las in meinem Buch, als neben mir ploetzlich eine massive Schlaegerei von statten ging. Vier Bleichgesichter in Hemden pruegelten auf einen dunkelhauetigen Ecuadorianer ein. Die Agressoren waren offensichtlich Zivilpolizisten, welchen es einmal mehr nicht gelang nicht wie Polizisten auszusehen. Es gelang ihnen auch nicht den Gesuchten zu ueberwaeltigen: Er wusste sich mit Bissen, Spuckattacken und platzierten Faustschlaegen zu wehren und schrie wie am Spiess. Dies bewog andere Ecuadorianer im Flieger aufzustehen und Partei fuer den Gepeinigten zu ergreifen. Die Polizisten wurden beschimpft und als Weicheier verhoehnt, weil es ihnen nicht gelang zu Viert einen einzigen Mann zu ueberwaeltigen. Schlussendlich verlas dann einer der Polizisten das Suendenregister des Deliquente. Dieses hatte es offenbar derart in sich, dass sich der Volkszorn augenblicklich legte. Der Deliquente konnte darauf zur Kapitulation bewogen werden und wurde blutueberstroemt aus dem Flugzeug entfernt. Wenig spaeter rollten wir zur Startbahn. Der arme Specht wurde in letzter Sekunde gefasst, war wohl nicht sein Glueckstag.

Der elfstuendige Flug verlief sehr kurzweilig. Ich hatte Glueck, meine Sitznachbarin (eine emmigrierte Ecuadorianerin aus Valencia) erwies sich als sehr nett und verpasste mir einen Crashkurs in Spanisch. Der Anflug auf Quito ueber Venezuela und Kolumbien war sehr beeindruckend. Zum ersten Mal realisierte ich die unfassbare Groesse des suedamerikanischen Kontinenten. Die Stadt Quito liegt inmitten dieses gruenen Niemandslandes zwischen riesigen Bergketten. Bei der Landung wurden Berge umflogen als waren es Slalomstangen und der Flieger setzt schlussendlich auf die Piste auf, welche sich inmitten von Hausern befindet.

Anflug auf Quito

Am Flughafen wurde ich bereits erwartet und wenig spaeter war ich bei meiner Gastfamilie, welche in unmittelbarer Naehe zum Flughafen in einem wohlhabenden Quartier lebt. Alle Strassen werden von bewaffneten Wachmaennern gesichert, die Haueser verstecken sich hinter meterhohen Betonmauern. Meine Familie fahert Mercedes, spielt XBOX, schaut auf einem riesigen Sony Plasma Screen fern, und beschaeftigt ein Hausmaedchen - gleichzeitig mangelt es an warmem Wasser, abends wird es sehr kalt im Haus und die Decke meines Zimmers ist versprayt.
Die Leute sind sehr nett und gebildet, man spricht auch Franzoesisch und Englisch. Fussball ist ein grosses Thema, wir schauten fern, cruisten durch das Quartier, spielten FIFA. Die Hoehendifferenz (Quito liegt auf 2850m ueber Meer) faehrt ziemlich ein. Man atmet schnell, der Puls rast. Spaeter ueberkam mich eine Muedigkeit wie ich sie bisher nicht kannte, und ich schlief lange.

Alles in allem gefaellt es mir bestens hier. Heute werde ich zum ersten Mal die Stadt etwas erkunden und der Schule einen Besuch abstatten, in welcher ich ab Montag die Schulbank druecken werde.