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Schlaflos in Quito

Samstag 21:30 - Ich bin hundemuede und entschliesse mich die wohl verdiente Nachtruhe anzutreten, um am Sonntag beizeiten aufstehen zu koennen. Ich wuensche der Gastfamilie Buenas Noches. Wenig spaeter verkrieche ich mich unter der Daunendecke, der Wolldecke und drei Lagen Leintuecher, welche mir die kalte Nacht Quitos vom Leib halten sollten.

22:00 - An Schlaf nicht zu denken. Im Wohnzimmer laeuft Discovery Channel (”I survived”) auf maximaler Lautstaerke und zwei der Soehne bringen sich mit elektronischer Musik und Heavy Metal in Fiestastimmung.

23:30 - Endlich kehrt Ruhe in der Villa Cabezas ein. Ich schlafe ein.

02:00 - Ein unglaublicher Laerm reisst mich aus dem Schlaf. Es trampelt und scheppert als wuerde eine Elefantenherde mein Zimmer durchqueren. Ich tippe auf Ratten und mache mich mit der LED-Taschenlampe auf die Suche nach den unerwuenschten Mitbewohner. Meine Search&Destroy Mission bleibt erfolgslos, ich realisiere, dass der Stoerefried oberhalb meines Zimmers haust. Fortan ist schlafen nur noch begrenzt im Schlummermodus moeglich.
Am naechsten Tag erfahre ich, dass auf dem Dach ein Hund lebt. 365 Tage im Jahr. Tag und Nacht. Ohne Gassi gehen, Hundeschule und solche Maetzchen. Ab und zu bequemt sich jemand nach oben und wirft ihm einige Brocken Fleisch hin. Ich denke: Besser ein Hund auf dem Dach als in der Wohnung.

04:00 - Die Partybrueder kommen nach Hause. Mit Pauken und Trompeten. Ich bin ihnen nicht boese, denn normalerweise denke ich an einem Samstag um diese Zeit auch nicht an schlafen.

05:00 - Ein Hahn kraeht. Alle Hunde im Quartier antworten mit Gebell. Das Concerto Grosso nimmt kein Ende.

06:00 - Die ersten Flieger starten auf dem nahe gelegenen Aeropuerto Mariscal Sucre.

07:30 - In der Nachbarschaft beginnt ein Live-Konzert (Zur Erinnerung: Es ist Sonntagmorgen um 07:30). Rockmusik. Der Saenger kraeht mit Inbrunst und grosser Ernsthaftigkeit etwas von Amor. Als der liebe Gott die Stimmen vergab stand der Junge offenbar ganz hinten an, die Musik ist nicht zum Aushalten. Doch scheint ein Publikum vorhanden zu sein. Einige klatschen, andere pfeiffen.

Ich kapituliere und stehe auf. Die Moral von der Geschicht: Frueh zu Bett in Quito lohnt sich nicht.