Skip to content

Body Count auf Ecuadorianisch

quito_traffic_small.jpg

Frisch in Quito gelandet, spatziert man aus dem Flughafen und nimmt schon beim ersten Fussgaengerstreifen zur Kenntniss: Auf diesen Strassen weht ein rauer Wind. Doch noch laechelte der Europäer, man hat die Hoelle von Napoli ueberlebt, ist in Spanien Auto gefahren und hat griechische Inseln auf Motorrollern unsicher gemacht. Waer doch gelacht.

Doch dann fuehrt der Weg stadteinwaerts und schon bald fallen sie einem auf: die hellblauen Herzen, welche an Kreuzungen, Fussgaengerstreifen und allen anderen moeglichen und unmoeglichen Orten auf den sproeden Asphalt gepinselt sind.
Anfangs denkt man sich nichts dabei, man laeuft einfach weiter, doch spaetestens nach zehn gesichteten Herzen draengt sich die Frage nach der Bedeutung auf. Und die Antwort, man ahnt es schon laengst: Jedes blaue Herz steht fuer einen Menschen, der im Strassenverkehr Quitos sein Leben gelassen hat. Hoechstwahrscheinlich als Fussgaenger. Man sieht sehr viele blaue Herzen in Quito. Sie sollten die Verkehrsteilnehmer zu mehr Vernunft am Steuer mahnen.

Eine gute Idee wie ich finde. Hier munkelt man, dass Ecuador die Rangliste der Laender mit den meisten Verkehrstoten Suedamerikas anfuehrt. Scheint mir durchaus moeglich, denn nach zwei Wochen Quito weiss man ungefaehr wie der Hase rennt.
Fussgaenger sind Freiwild. Fussgaengerstreifen haben keinerlei Bedeutung. Autos bremsen nicht fuer Freiwild, aber grosszuegigerweise betaetigen Autofahrer oft und gerne das Horn (auch ohne Anlass), was mir in zwei Wochen Quito bestimmt schon fuenfmal das Leben gerettet hat.
Ampeln fuer Fussgaenger sind hier eine seltene Neuheit und grundsaetzlich hat sich der Mann zu Fuss an den Ampeln der Autofahrer zu orientieren. Dies ist leider nicht immer moeglich, weshalb es oefters vorkommt, dass just in dem Moment, wo man sich in der Mitte einer vierspurigen Strasse befindet, die Ampel auf gruen schaltet. Kleine Sprints erhalten die Fitness.

Aber auch Beifahrer leben gefaehrlich. So kann das anlegen des Sicherheitsgurt (falls vorhanden) durch den Fahrer als Beleidigung aufgefasst werden. Fahrer sind fast nie angeschnallt, “because i drive very good”. Zudem scheint es in Ordnung zu sein angetrunken oder besoffen zu fahren.
Dafuer findet man in fast jedem Auto ein Portrait der heiligen Maria oder von Jesus hoechstpersoenlich. Und wenn es dann trotzdem knallt, war das eben Mala Suerte, Pech.