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Der Busdoktor

Im Bus. Wie immer herrscht waehrend der Fahrt reger Betrieb. Kinder, Alte, Penner und Fluechtlinge steigen in der Hoffnung zu einige Centavos zu verdienen.
Taetig sind sie in den verschiedensten Geschaeftsfeldern: Waehrend sich die Strassenkinder hauptsaechlich im Verkauf von Suessigkeiten betaetigen, erzaehlen die kolumbianischen Familienvaetter, Kleinkind auf der Schulter, ihre Lebensgeschichte sowie die Geschichte ihres Landes und hoffen dann auf einige Almosen. Auch von mehr oder minder begabten Musikanten werden die Passagiere des oefteren beglueckt. Singende Frauen, Jungs welche zu pumpenden Raeggaton Beats rappen, Musikstudenten. Das volle Spektrum der Strasse eben.

So auch heute. Kein grosses Interesse seitens der Passagiere, man stumpft ab. Doch dann stieg ein aelterer Mann zu, welcher innert Kuerze die Aufmerksamkeit saemtlicher Personen auf sich zu lenken wusste. Feinstens gekleidet in Schale war der Herr, die oeligen Haare elegeant frisiert, die goldene Lesebrille weise auf der Nasenspitze oberhalb des gepflegten Lippenbartes. Ueber seinem Anzug trug er einen schneeweissen Arztkitel, auf der Brust ein grosses selbtsgemaltes rotes Kreuz.
Der Herr stellte sich vor. Arzt sei er und im Auftrag des Gesundheitsministeriums unterwegs um die Bevoelkerung ueber die Immunkrankheit AIDS aufzuklaeren. Seine marktschreierische Stimme enttarnte ihn innert Kuerze als kommuner Busverkaeufer. Es folgte eine kurze Erlaeuterung der Ansteckungsmoeglichkeiten mit dem HIV-Virus: Schmutziges Drogenbesteck, Bluttransfusionen, Geburt. Die Aufzaehlung war meines Wissens nicht ganz vollstaendig.

War auch nicht so wichtig, denn nun lancierte der Busdoktor sein Produkt. Aus einer Tasche zog er einen Stapel DVD-Scheiben, welche er schleunigst unter den Passagieren verteilte. Es folgten die Verkaufsargumente. Das Videomaterial enthalte nicht nur Informationen zur Vorbeugung von AIDS, sondern helfe auch bei der Vermeidung von Krebs und anderen Krankheiten (welche blieb unklar). Ein grosser Vorteil der DVD sei zudem, dass man sie auch an Kinder, Ehepartner, Onkeln und Tanten weitergeben koenne, und so schlussendlich die ganze Familie vor drohendem Unheil geschuetzt sei.
Ausserdem sei der Film gratis, das Gesundheitsministerium will ja die Bevoelkerung schuetzen, lediglich Materialkosten von einem Dollar fielen an. Nun sammelte der Hochstapler das Geld ein. Kein einziger Passagier retournierte die DVD, allesamt bezahlten sie mit ernster Mine (offenbar sensibilisiert) und steckten die Silberscheibe ein.

Der Busdoktor bedankte sich, mahnte seine Kundschaft nochmals zur Vorischt und sprang Geldscheine zaehlend aus dem fahrenden Bus.