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Leyseca: Ein Land sitzt auf dem Trockenen

Warten auf den Wahltag in Cuenca

Sonntags wird gewaehlt in Ecuador. Bedeutet: seit Gestern herrscht die Leyseca (frei uebersetz: trockenes Gesetz). Von Donnerstag bis Sonntag darf keiner im Lande Alkohol trinken. Nuechtern an die Urne lautet die Devise. Bars und Discotheken sind geschlossen. Heerscharen junger Maenner und Frauen (die schoensten im Lande) schwadronieren  zur Stunde durch die Gassen von Cuenca und wissen nicht was mit der freien Zeit anzustellen ist. Einige haben ihre Alkoholreserver inhouse rechtzeitig aufgestockt und geben sich jetzt zu Hause die Kante (was ebenfalls verboten ist). Andere wiederum versuchen in den kleinen Geschaeften mit Guetern des taeglichen Gebrauchs (wozu meistens auch ein ordentliches Spiritusarsenal zaehlt) eine Bottle unter der Hand zu erwerben, was fast unmoeglich ist. Wer sauft kommt in den Knast. Wer verkauft sowieso. Dies wird durch Militaer- und Polizeipraesenz rigoros durchgesetzt.

Die Leyseca hat aber auch ihre gute Seiten. So ist es den kandidierenden Personen und Parteien seit vorgestern verboten Wahlpropaganda zu betreiben, so dass der muendige Buerger Sonntags freien und nuechternen Willens zur Urne schreiten kann. Dies hat zur Folge, dass Cuenca einen Rueckgang des Laermpegels um 90% zu verzeichnen hat. Zuvor haben die Parteien (und davon gibt es hier unzaehlige) ihre Wahlpropaganda hauptsaechlich auf der Strasse betrieben, indem sie Autocorsos veranstalteten und von einem fahrenden Soundsystem aus das Staedtchen mit Musik und Wahlslogans beehrten. Bis in alle Nacht.
Aber auch Funk und Fernsehen konnten sich ihren Teil vom Wahlkuchen sichern. Programm wurde nicht mehr gesendet, nur noch Wahlspots. Zum Beispiel fuer die Patei des amtierenden Praesidenten Coreas. Ya basta!
Mein Lieblingspolitiker aber heisst Alvaro Noboa. Noboa ist der reichste Herr im Lande und besitzt 110 Unternehmen. Er hat das Monopol im Bananenbuisness, auf Getreide, Shrimps und eigentlich so ziemlich alles was das Land an Rohstoffen hergibt. Noboa waere auch gerne Praesident. Seine Kampagne in der Praesidentschaftswahl 2006 war ziemlich innovativ. Zum Beispiel hat er Geld verteilt. Oder Wohnungen verschenkt. Andererseitseits hat er sich in Werbespots auch als Gesandter Gottes, mit Bibel in der Hand und Kreuz auf der Brust, praesentiert. Eigentlich viele gute Gruende Noboa zu waehlen. Hat ueberraschenderweise aber nicht geklappt. Vielleicht war sein politisches Programm doch etwas zu flach. Hauptsaechlich wollte er die Unternehmenssteuer abschaffen. Nun kandidiert er halt fuer die Asamblea und hat sich zu diesem Zweck Mittwochs drei Stunden Sendezeit auf dem populaersten Fernsehkanal gekauft.

Zurueck zum Thema. Der Wahltag naht in grossen Schritten. Gestern wurden in den Schulen die Urnen aufgestellt. Vom Militaer (wem sonst?). Waehlen muss jeder, da gibts kein Erbarmen (hoechstens 100 Dollar Busse) und jeder waehlt wo er geboren wurde. Menschen aus Guayaquil neigen dazu in Quito zu arbeiten, die Leute aus Quito handkerum tendieren dazu ihre Broetchen in Guayaquil zu verdienen. Ich weiss nicht weshalb. Tatsache ist, die Staedte trennen neun Stunden Busfahrt. Heisst, das ganze Land ist auf Achse.
Morgen um 7 Uhr in der Frueh werden dann im ganzen Lande die Sirenen heulen. Das Volk wird auf den groessten Wahlzetteln der Landesgeschichte (so gross wie ein Schreibtisch) seinen Willen kund geben. Maenner und Frauen getrennt. Entgegengenommen werden die Zettel von Leuten, welche nach dem Zufallsprinzip zu diesem Amt verdonnert wurden. Punkt 17 Uhr werden die Wahllokale schliessen und der aelteste Jahrgang der Colegioschueler wird mit der Auszaehlung vertraut.

Ich hoffe die “Pais” Partei Correas gewinnt. Ich mag Correa nicht, er ist ein Clown. Aber ein Clown mit guten Ideen. Zum Beispiel die Banken ins Wanken zu bringen (Zinssatz auf Kreditkarten 20-40%). Oder die Amis aus dem Lande zu schmeissen (Luftwaffenstuetzpunkt in Manta).
Andererseits ist es mir auch ziemlich egal, und deshalb werde ich mich morgen, wenn die Sirenen heulen, nicht ins Wahllokal begeben, sondern in die Tundra des Cajas-Nationalparkes zurueckziehen.