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Alegria am Carnaval de Barranquilla

Carnaval de Barranquilla

In Kolumbien, da wird noch gefeiert. Insbesondere am Karnevalswochenende, das wir uns natuerlich nicht entgehen liessen. Eigens deswegen flogen wir in die Kuestenstadt Barranquilla, wo alljaehrlich die froehlichste aller Sausen steigt. Froehlichkeit, Alegria, darum geht es am Karneval. Die Kolumbianer sind grundsaetzlich keine Kinder von Traurigkeit. Doch einige schwingen mit ihrer Alegria ganz weit oben aus. Und die werden am Karneval praemiert. Fuer vier Tage Koenig wird der Froehlichste der Stadt. Rey Momo wird der genannt. Wir sahen Momo, er traegt Krone, Schnauz und ist um die vierzig. Er war wirklich sehr sehr froehlich.

Eine weitere Frohnatur trafen wir an einem der zahlreichen Konzerte, welche das Karnevalsvolk bis in die Morgenstunden zu noch mehr Alegria, Tanz und nicht zuletzt Rum animieren - bis zur Ekstase. Es war dies Carlos Valderrama, el Pibe, bester Fussballer Kolumbiens und auch durch seine Erscheinung (Goldmaehne, Freundschaftsbaender) in aller Welt zu Beruehmtheit gelangt. Der genannte, selber Buerger Barranquillas, mischt sich gerne unter das Volk und war sich auch nicht zu Schade auf einer der zahlreichen Buehnen ein Taenzchen zum Besten zu geben - um drei Uhr morgens. Als seine Darbietung zu Ende war, wurden wir ihm auch sogleich als Fans aus der fernen Schweiz vorgestellt, wir schossen Fotos und nutzten die Gelegenheit ihm nachtraeglich zum grossen Sieg ueber unsere Nati an der WM 94 zu gratulieren, was ihn sichtlich freute.

Ansonsten wird am Carnaval hauptsaechlich defiliert. Von Samstag bis Dienstag steigt jeden Nachmittag in unmenschlicher Hitze ein Umzug mit unterschiedlichen Themenbezuegen. Dutzende Karnevalsgruppen nehmen taeglich teil, so dass das Spektakel Stunden in Anspruch nimmt. Jeweils ein Soundsystem rollt voraus, mit Cumbia, Salsa, Merengue oder Son Musik (live oder ab Konserve) und im Schlepptau folgen Taenzer in den buntesten, fantasievollsten und nicht zuletzt freizuegigsten Kostuemen, die man sich nur ausmalen kann. Angereichert werden die bunten Truppen durch bizarr verkleidete Transvestiten, Schwule oder andere Exibitionisten, welche alle vorzueglich in die Festgesellschaft integriert werden.

Man sieht nur lachende, froehliche und schoene Gesichter. Einzige Ausnahme bilden die bis an die Zaehne bewaffneten Militaers, welche in Abstaenden von zehn Meter Law und Order aufrecht erhalten sollen.

Der Karnevalsspass endet Dienstags mit dem Entierro de Joselito - der Beerdigung Joselitos. Joselito ist die Personifizierung des Karnevals und wird in diesem letzten Defile in einem Sarg zu Grabe getragen. Doch Joselito wollte noch nicht sterben, immer wieder sprang er in seinem bunten Kostuem aus dem Sarg, entwischte seinen schwarz gekleideten Haeschern fuer einige Sekunden, bevor er erneut in den Sarg zurueck gezwaengt wurde. Und auch wir wollten ihn nicht gehen lassen. Nach vier Tagen Rumba und Locura volle, da moechte man gar nicht mehr zur Normalitaet zurueck kehren. Carnaval de Barranquilla - wir kommen wieder!