Skip to content

Ein Tag in Bogota

Der heutige Tag in Bogota stand ganz im Zeichen meines Vorstellungsgespraech. Ich will sesshaft werden. Jedenfalls fuer einige Wochen oder Monate, wer weiss das schon so genau. Nun, Buerojobs in Kolumbien, das heisst Anzug, Krokolederschuhe, Schmalzfrisur und andere Dinge, die ich nicht mag. Doch dachte ich mir, meine schmutzigen Partyfinken und die Safarihosen, mit denen werde ich sicherlich nicht gut ankommen. Also rannte ich den ganzen Tag lang durch Bogota, auf der Suche nach salonfaehiger Kleidung, investierte in Lederschuhe (die ersten meines Lebens), fertigte Fotos an, tüftelte an meinem CV.

Um vier Uhr nachmittags war es dann soweit. Ich prüfte nochmals meine Frisur im Spiegel und stieg nicht ohne Herzklopfen in den Lift, welcher mich ins siebte Stockwerk des Technoparks von Bogota fuhr. Bling, ich stieg aus und lief ins Buero. Diesen Moment hatte ich mir lange ausgemalt. Erwartet hatte ich gestylte Backofficedamen, wichtige Männer in Anzügen und Arbeitsbienen in Cubicles. Weit gefehlt. Eine handvoll Jungs in Spasskleidung hing in einem Büro rum, laute Musik dröhnte aus einem Soundsystem und irgendwo an einer Wand hing auch noch das Logo des Unternehmen. Freudig wurde ich begrüsst und wir plauderten alle ein bischen, was das Vorstellungsgespräch war. Manchmal kamen wir doch noch auf einige Themen von Bedeutung zu sprechen, wie zum Beispiel Gehalt, oder Stellenprozente, und all meinen Forderungen wurde widerstandslos stattgegeben. Schon war ich eingestellt.

Ich schnappte mir einen Laptop und hängte auch ab. Das Ganze zog sich bis zehn Uhr abends hin, doch noch immer ist mir schleierhaft, wie dieses Unternehmen Geld verdient, geschweige denn mein Gehalt bezahlen will (ich rechne mit keiner einzigen Dukate). Ich sah kein einziges Kundenprojekt, hingegen wurde mir die Innovationsabteilung oder das Sozialprojekte, welches das Unternehmen betreibt, genauer erlaeutert. Die Jungs hingen hauptsaechlich auf Facebook rum oder vergnuegten sich auf Youtube. Später des Nachts liefen zwei andere Jungs ins Buero und hielten eine Praesentation ueber Robotik, doch keiner hoerte ihnen zu. Dann gingen wir Hamburger essen. Es war wirklich toll.

Um zehn Uhr schlossen die Toren des Technoparks leider und wir mussten raus. Im Transmilenio fuhren wir nach Hause und im stroemenden Regen lief ich in mein Hostal zurueck, wo bereits die Polizei mit Blaulicht vor der Tuere wartete. Drei Cops plauderten mit den Gaesten, sie waren wegen des kanadischen Maechens hier, welches mit einem Messer in den Arm gestochen wurde, nachdem sie sich weigerte einer deutlichen Ueberzahl von acht Gaunern ihr Bargeld auzuhaendigen. Nun, nicht meine Angelegenheit, ich lief in mein Dorm, wo ein Russe und ein Kanadier gerade damit beschaeftigt waren einen Ofen zu rauchen und sich die naechste Linie Kokain zurechtzulegen.

Alles in allem durchaus ein weiterer gelungener Tag.

One Trackback/Pingback

  1. wawimiz on Freitag, Januar 15, 2010 at 04:58

    wawimiz…

    Download mp3 with Jay J vs. Lil Kim